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	<title>game0ver! &#187; Hysterie</title>
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	<description>Yet another gamer&#039;s weblog...</description>
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		<title>Burn the Witch!</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 13:41:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>LiquidSnakE</dc:creator>
				<category><![CDATA[Daily Fix]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich finde es bemerkenswert, welch eigenartige Blüten die jüngste Killerspiele-Debatte in Deutschland treibt. Jahrelang scherzte ich, dass es irgendwann noch zu einer öffentlichen Killerspiele-Verbrennung kommen würde. Nun ist es soweit: Heute findet die vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden initiierte Aktion &#8220;Familien gegen Killerspiele&#8221; statt, in deren Zuge der bösartige &#8216;Schund&#8217; gesammelt und im Anschluss verbrannt werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde es bemerkenswert, welch eigenartige Blüten die jüngste Killerspiele-Debatte in Deutschland treibt. Jahrelang scherzte ich, dass es irgendwann noch zu einer öffentlichen Killerspiele-Verbrennung kommen würde. Nun ist es soweit: Heute findet die vom <a title="Familien gegen Killerspiele" href="http://www.memo-software.de/aaw/index.php/aktionen/148-familien-gegen-killerspiele" target="_blank">Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden</a> initiierte Aktion &#8220;Familien gegen Killerspiele&#8221; statt, in deren Zuge der bösartige &#8216;Schund&#8217; gesammelt und im Anschluss verbrannt werden soll.<span id="more-610"></span></p>
<p>Allerdings war das, entgegen meiner ursprünglichen Annahme, keineswegs die erste Spieleverbrennung in der Bundesrepublik. Bereits 2002 wurden infolge des Amoklaufs von Erfurt unter dem Leitsatz &#8220;Macht kaputt, was uns kaputt macht!&#8221; Videospiele gesammelt und vernichtet. Obwohl mich der ganz nomale Wahnsinn meiner deutschen Nachbarn nichts angeht, wird mir angesichts einer solch unreflektierten und fanatischen Hexenjagt Angst und Bang.</p>
<p>Normalerweise bin ich der letzte, der, wie es auf vielen Gaming-affinen Websites beliebt ist, in Bezug auf die Aktionen von Spielegegnern mehr oder minder deplatzierte Vergleiche zur Ära des Nationalsozialismus zieht, aber Deutschland hat es wieder einmal geschafft, den Bogen zu überspannen.</p>
<p>Ich kann durchaus verstehen, dass nicht jeder mit dem derzeit vorherrschenden Zeitgeist einverstanden ist. Dies schließt die (inzwischen gar nicht mehr so) neuen Medien mit ein. Videospiele erfreuen sich großer Beliebtheit bei jung und alt, erreichen eine immer größer werdende Käuferschicht und bringen <a title="&quot;Brot und Spiele&quot;" href="http://www.orf.at/090122-34184/index.html" target="_blank">mehr Geld als Hollywood-Blockbuster</a> ein. Mit dem Klischee vom Computer-Nerd, dem &#8220;Social Outcast&#8221;, der den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringt, wurde gehörig aufgeräumt. Spätestens seit Erscheinen der Wii ist klar: Gaming ist keine soziale Randerscheinung mehr, sondern Mainstream. Gaming ist &#8216;hip&#8217;.</p>
<p>Da der Altersdurchschnitt der Spieler im Laufe der Jahre immer höher wurde, ist nachvollziehbar, dass auch Spiele mit nicht kind- oder jugendgerechtem Inhalt Absatz finden. Natürlich muss man diese Entwicklung nicht zwangsläufig gut heißen, aber können wir nicht trotzdem für einen Augenblick so tun, als wären wir zivilisiert? Soziale Ächtung, wie sie <a title="Schäuble: Virtuelle Welt baut Hemmschwellen ab / Künast: Killerspiele durch Diskussionen ächten" href="http://www.blogspan.net/presse/schuble-virtuelle-welt-baut-hemmschwellen-ab-knast-killerspiele-durch-diskussionen-chten/mitteilung/54421/" target="_blank">bereits gefordert</a> wurde, ist zwar nicht schön, aber immer noch die solideste aller denkbaren &#8216;radikalen&#8217; Protestmaßnahmen. Verbote greifen hingegen aktiv in die Gestaltungsfreiheit des Lebens anderer Menschen ein, was vor allem dann verabscheuungswürdig ist, wenn diese ihren Mitbürgern durch ihre Tätigkeit keinen Schaden zufügen. Aber ÖFFENTLICH VEBRENNEN? Sind wir denn im Mittelalter?</p>
<p>Um zum Nationalsozialismus zurückzukehren: In jeder, wirklich jeder Sendung über Nazi-Deutschland oder den Zweiten Weltkrieg taucht jemand auf, ein Zeitzeuge, Experte oder Politiker, der beteuert, das deutsche Volk &#8211; nein, die Welt &#8211; hätte aus den Jahren 1933-1945 gelernt. Im Anschluss wird meist beteuert, dass sich solch schreckliche Fehler, wie sie damals gemacht wurden, nie mehr wiederholen werden. Tatsache? Und was soll die heutige Aktion?</p>
<div id="attachment_630" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://liquidsnake.consolepower.net/wp-content/uploads/2009/10/208650.jpg"><img class="size-medium wp-image-630" title="Bücherverbrennung unter den Nazis" src="http://liquidsnake.consolepower.net/wp-content/uploads/2009/10/208650-300x220.jpg" alt="Verbrennung entarteter Killerspiele in Stuttg... - oh, halt, das war etwas anderes." width="300" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">Verbrennung entarteter Killerspiele in Stuttg... - oh, halt, das war etwas anderes.</p></div>
<p>Die Nazis verbrannten Bücher, die sie als &#8216;undeutsch&#8217;, respektive &#8216;entartet&#8217; ansahen, auch solche, die, laut ihren Angaben, die deutsche Jugend verrohren bzw. zu unerwünschten Gedanken oder Verhalten verleiten könnten. Nichts anderes geschieht heute in Stuttgart. Die Initiatoren der Sammlung erachten Videospiele &#8211; zumindest manche, die nach <a title="Was darf in die Tonne?" href="http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=2957" target="_blank">willkürlichen Kriterien</a> ausgesucht werden &#8211; als Bedrohung gesellschaftlicher Werte, mehr noch, als mögliches Mordwerkzeug. Es versteht sich von selbst, dass der bösen, raffgierigen Industrie, die nichts anderes im Sinn hat, als dabei zuzusehen, wie sich Jugendliche in Deutschland gegenseitig über den Haufen schießen, demonstriert werden muss, dass ihr Angriff auf Sitte und Moral nicht hingenommen wird &#8211; je drastischer die Form des Protestes, desto besser. Das AAW fällt somit in die selben radikalen Verhaltensmuster zurück, von denen Deutschland angeblich geläutert ist. Noch dazu wurde das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, das unter allen Teilnehmern verlost wird, <a title="DFB distanziert sich vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden" href="http://www.lars-haise.net/gaming/001173-dfb-distanziert-sich-vom-aktionsbuendnis-amoklauf-winnenden.html" target="_blank">laut DFB</a> dem AAW nicht dezidiert für ihre Veranstaltung zur Verfügung gestellt &#8211; es hätte ursprünglich karitativen Zwecken zukommen sollen.</p>
<p>Ich möchte damit nicht sagen, dass jede Modeerscheinung kommentarlos zu akzeptieren ist, aber als Gesellschaft muss ein für alle erträglicher Konsens gefunden werden. Eine öffentliche Verbrennung zeugt lediglich von zweierlei: blinder Aktionismus und Merkbefreiung. Es wird sich &#8211; speziell seitens der Leidensträger des Amoklaufs von Winndenden &#8211; so sehr in die Suche nach einem Schuldigen hineingesteigert, dass die Schuldfrage in den Hintergrund gerückt wird. Sie wollen Antworten, wollen wissen, wie es zu einer solchen Tat kommen konnte. Man möchte gerne ein Patentrezept für Verhinderung von Amokläufen und für die Wiederherstellung der glücklichen und sorgenfreien Jugendjahre (gab es die denn jemals, außer in den Köpfen der Generation 40 plus, die ihre längst vergangene Jugend zu idealisieren scheint?) finden. Auch ohne ein Psychologiestudium meine ich zu wissen: Niemand begeht leichtfertig einen Amoklauf. Tim K. war innerlich zumindest kaputt genug, dass ihm die schwerwiegenden Konsequenzen seines Handelns egal gewesen sind. Das hat definitiv nicht nur der <a title="Amoklauf von Winnenden: &quot;Far Cry 2 und Counter Strike haben den Tathergang beeinflusst&quot;" href="http://www.pcgames.de/aid,695255/Amoklauf-von-Winnenden-Far-Cry-2-und-Counter-Strike-haben-den-Tathergang-beeinflusst/PC/News/" target="_blank">Konsum von Far Cry 2</a> verursacht. Was sonst der Auslöser war? Ich weiß es nicht, denn ich kann keine Gedanken lesen. Vielleicht sah Tim K., wie Robert S. (<a title="Amoklauf von Erfurt (Wikipedia, de)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt" target="_blank">Erfurt, 2002</a>), keine Perspektive mehr in seinem Leben? Vielleicht war er, wie Sebastian B. (<a title="Amoklauf von Emsdetten (Wikipedia, de)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Emsdetten" target="_blank">Emsdetten, 2006</a>), ein Opfer des Spotts bzw. der Missachtung seiner Mitmeneschen? Vielleicht gibt es für Tim K. aber auch keinen Präzedenzfall und er handelte aus ganz anderen, der Nachwelt unbekannten Motiven heraus. Diese Frage zu stellen ist den Unterstützern des AAW aber offensichtlich zu mühsam: Sie wollen jemanden &#8211; oder etwas &#8211; für ihre getöteten Lieben am Galgen baumeln sehen. Aus diesem Grund sind sie auf &#8216;ihr&#8217; Feindbild fixiert und für Argumente der Gegenseite bzw. ein konstruktives Gespräch im allgemeinen unzugänglich. Jeder, der ihre Vision nicht teilt, arbeitet automatisch für die <a title="Beleidigende E-Mails wegen geplanter Aktion" href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2240620_0_9223_-aktionsbuendnis-winnenden-beleidigende-e-mails-wegen-geplanter-aktion.html" target="_blank">Computerspiel-Lobby</a>. Wut macht blind. Ich glaube nicht, verstehen zu können, was in diesen Menschen vorgeht, für mich steht aber fest: Sie tun das Falsche aus den falschen Gründen.</p>
<p>Muss eigentlich erst jemand Amok laufen oder totgeschlagen werden, damit die Gesellschaft aufhorcht und nachsicht, wie es um ihre Jugend bestellt ist?</p>
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